Wirtschaftspolitische Spannungen zwischen den USA und China – Volatilität der Rohstoffmärkte – Entwicklungen rund um das Zollabkommen zwischen der EU und den USA. Keine Frage, mittelständische Unternehmen stehen vor komplexen Herausforderungen: Lieferverträge geraten unter Druck. Preise, die vor einem Jahr noch solide kalkuliert waren, führen nun mit jedem Verkauf zu Verlusten. Gleichzeitig fordern Zulieferer massive Preiserhöhungen. Der Absatz bricht ein.
Gemeinsam mit dem BVMW-Mitglied, der Kanzlei Bird & Bird LLP, haben wir in einem exklusiven Lieferketten-Webinar praxisnahe Einblicke und vor allem Orientierung zu der Frage geboten: Wie kann sich ein Unternehmen in diesem dynamischen Umfeld rechtlich absichern und stärken?
Die Folge: Langfristpreise werden untragbar, Preisanpassungen eskalieren.
Juristische Hebel mit Wirkung
Wer Preise bewegen muss, braucht saubere Klauseln: Preis, Index, Materialzuschläge für volatile Inputs. Für allgemeine Kosten eignen sich Verhandlungs- oder Anpassungsklauseln. Force-Majeure sollte vertraglich geregelt sein. Das BGB kennt eher Unmöglichkeit und den Wegfall der Geschäftsgrundlage. Aber die haben Hürden. Wichtig sind klare Incoterms, damit Zollrisiken nicht zufällig zuschlagen. Gegen angedrohte Lieferstopps helfen vorbereitete einstweilige Verfügungen sowie Ausschluss von Zurückbehaltungsrechten, Vertragsstrafen und bei grenzüberschreitenden Fällen Schiedsklauseln.
Blick in die Praxis von Pharma
In stark regulierten Branchen ist ein Lieferantenwechsel selten schnell möglich. Gleichzeitig verschieben politische Anreize Investitionen in die USA. Unternehmen reagieren mit Pufferlagern statt reiner Perlenkette. Haltbarkeit, Qualität und Kosten setzen dabei Grenzen.
Zusammenarbeit schärfen
Sales und Legal müssen früher zusammenspielen. Haftung, Gewährleistung, Haftungsbegrenzungen gehören vor die Preisfreigabe. Unterschriebene Verträge statt lose angehängter AGB. Und: In unsicheren Zeiten sind starre Langfristpreise riskant. Besser sind flexible Mechanismen. Nearshoring bleibt eine Abwägung zwischen Aufwand, Erreichbarkeit und Teilepreis.
Heute mehr Zeit in den Vertrag investieren, erspart morgen einen jahrelangen Rechtsstreit. Wer Preisgleitklauseln und Incoterms klug setzt, Force-Majeure klar regelt, Schiedsverfahren vorsieht und interne Playbooks etabliert, macht seine Lieferketten widerstandsfähig. Die Kombination aus flexiblen Verträgen, früher Rechts-Einbindung und geübten Notfallroutinen ist der praktikabelste Schutz gegen politische und marktseitige Schocks.
So bleibt der Mittelstand auch im Sturm handlungsfähig.
Kontakt
Dr. Philipp Egler LL.M. (Miami), Partner bei Bird & Bird und Rechtsanwalt für Vertrags- und Lieferkettenrecht mit Erfahrung aus über 40 Fällen zu Preisanpassungen in Lieferverträgen. +49 69 7 42 22 60 00 frankfurt@twobirds.com LinkedIn https://www.twobirds.com
Dr. Kerstin Stangier Head of Corporate Development, BioSpring GmbH. Dr. Stangier bringt praktische Aspekte aus Sicht eines pharmazeutischen Unternehmens mit ein. BioSpring GmbH hat jahrzehntelange Erfahrung in der Herstellung und Analyse von Nukleinsäuren. LinkedIn https://www.biospring.net
Netzwerkprofi mit großer Freude an wertschätzender Kommunikation und Erfolg. Sie liebt es, Menschen in Kooperation zu bringen. Dipl. Soziologin & Informatik-Betriebswirtin (VWA) & City-Managerin & Industriekauffrau & Betriebliche Gesundheitsmanagerin & Inhaberin der ConnyUnity. Über ein Jahrzehnt Engagement für den Mittelstand. Leitung von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen und BVMW Geschäftsstelle Frankfurt am Main. Ansprechpartnerin für Presse und Politik. Gemeinsam mit fast 20 Repräsentanten vernetzt und positioniert sie in Hessen rund 1.000 Mitgliedsunternehmen und gibt ihnen eine starke Stimme.
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