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Warum wir unter Druck oft instinktiv das Falsche tun

Hochbetrieb in Unternehmen: Projekte und Meetings füllen den Kalender. Entscheidungen werden immer schneller getroffen. Und doch bleibt das Gefühl: Wir kommen nicht wirklich voran.

Conny Gärtner spricht mit Dr. Marc Doetze von Telos Partners über das Aktivitäten-Paradox: Warum wir unter Druck oft intuitiv das Falsche tun. Gut, dass sie die entscheidenden Hebel mitliefern, um es zu durchbrechen.

In einer zunehmend beschleunigten und sich ständig wandelnden Welt reagieren Teams auf Druck und Aufgabenlast häufig mit immer mehr Aktionismus, und zwar trotz vieler Hilfsmittel und Tools, die sie eigentlich entlasten sollten. Dann treffen sie ineffiziente Entscheidungen unter Druck. Aber das fördert nur ein oberflächliches Abarbeiten, statt strategisch zu denken. Das nennt Telos Partners das Aktivitäten-Paradox.

Ursachen für das Aktivitäten-Paradox

  • Menschliche Veranlagung
    Unser Belohnungssystem schüttet Dopamin aus, wenn wir Aufgaben erledigen. Das spornt uns zu noch mehr Aktivität an – unabhängig davon, ob wir richtig oder fokussiert agieren. Wir neigen dazu, mehr zu tun, selbst wenn weniger effektiver wäre.
       
  • Gesellschaftliche Prägung
    Viel hilft viel. Ich habe keine Zeit. Diese weit verbreitete Haltung verstärkt den Drang zur ständigen Geschäftigkeit – ein Teufelskreis.   
       
  • Informationsüberflutung
    Eine enorme Informationsmenge prasselt über zahlreiche Kanäle auf uns ein. Das heizt gefühlte Dringlichkeit und Aktionismus weiter an.

Um dem Aktivitäten-Paradox entgegenzuwirken und unter Druck effektive Entscheidungen zu treffen, identifiziert das Team von Dr. Marc Doetze drei Hebel: Halt, Anhalten und Fokus.

1. Halt: Bewusste Mikropause und Selbstreflexion

Bewusstes Innehalten: Stop sagen. Eine Pause einlegen. Einen Augenblick nachdenken. Das widerspricht unsere Intuition, hilft aber, aus dem Autopilot-Modus auszubrechen.

• In sich selbst hineinhorchen

Sich bewusst Zeit für ehrliche Selbstreflexion nehmen: Wo stehe ich eigentlich? Wie erfolgreich bin ich wirklich? Wie zufrieden bin ich mit dem aktuellen Vorgehen?
Antwort-Skalen von 0 bis 10 können dabei helfen, den aktuellen Stand zu bewerten und Verbesserungspotenzial zu erkennen.

• Mikropausen im Alltag

Eine kurze bewusste Pause kann Wunder wirken. Solche Handbremsen holen Sie aus dem Reizüberfluss:

Die Finger beider Hände zusammenzunehmen und sich 10 Sekunden lang nur auf die taktilen Empfindungen der Fingerabdrücke konzentrieren. Oder an einer Basilikumpflanze riechen, um die Sinne zu erden.

• Kritisch hinterfragen

Muss ich das überhaupt machen? Was kann wegfallen?
Freiräume schaffen: Dinge identifizieren und eliminieren, die nur noch aus Gewohnheit getan werden. Gewonnene Freiräume nicht sofort neu füllen!

• Wenn es schnell gehen soll, mach langsam.

Die alte Weisheit hilft, Fehler zu vermeiden und Stolpersteine zu umgehen.

2. Anhalten: Strategische Auszeit und gemeinsame Klarheit

Halt steht für individuelles Innehalten im Moment. Anhalten meint eine bewusste Team-Auszeit. Sich physisch und mental aus dem Tagesgeschäft für eine tiefere strategische Reflexion herausziehen.

• Regelmäßige Team-Auszeiten

Mehrmals im Jahr weg vom Büro in eine schöne Umgebung gehen, ist sehr wichtig. Solche Offsites bieten den Raum für wesentliche Fragen, für die sonst keine Zeit bleibt.

• Verletzlichkeit zeigen

Als Führungskraft auch die eigene Unsicherheit teilen: Ich bin jetzt gerade ein bisschen verloren. Wie geht’s euch? Dies schafft im Team psychologische Sicherheit, ermöglicht offene Gespräche und kann eine unerwartete positive Dynamik in Gang setzen.

• Fundamentale Geschäftsmodell-Reflexion

Nutzen Sie Auszeiten, um

o Geschäftsmodell
o dessen Relevanz
o Alleinstellungsmerkmale
o Differenzierung vom Wettbewerb

grundsätzlich zu hinterfragen. Oft existieren im Team darüber unterschiedliche Vorstellungen.

Ziel ist es, eine gemeinsame Klarheit zu schaffen. Denn unterschiedliche Wahrnehmungen führen zu ineffizientem Handeln.

• Wahrnehmungsbereitschaft

Nur wer sich selbst wahrnimmt, kann die Gesamtsituation und ihre Richtung beurteilen. Es braucht immer mal wieder den Blick von außen auf den Fluss des Geschehens.

3. Fokus: Konzentration auf das Wesentliche

Nach Innehalten und Reflexion gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete, sinnstiftende Prioritäten zu überführen. Ziel ist es, weniger, aber das besser, zu tun.

• Purpose finden

Beantwortet das Team die Frage nach dem inneren Antrieb und der Bestimmung, kann das eine tiefgreifende Veränderung anstoßen und Klarheit darüber schaffen, was wirklich zählt.

• Eine einzige Priorität

Mehrere Prioritäten zu haben, ist eine Fehlinterpretation des Begriffs. Lese-Empfehlung: Essentialismus vom New Yorker Bestseller-Autor Greg McCown. Seine Devise: Weniger ist mehr. Weniger, aber dafür besser.

• Gemeinsamen Fokus schaffen

Sind dem Team die strategischen Ziele klar, hat es einen gemeinsamen Fokus. Dann fließt die Energie in dieselbe Richtung und zerfasert nicht in widersprüchlichen Aktivitäten.

• Klarheit vor Aktivität

Lernen Sie, die eine wirklich wichtige Sache zu identifizieren und sich darauf zu konzentrieren. Dies verhindert, dass ein Team zwar sehr beschäftigt ist, aber sein wahres Potenzial ungenutzt bleibt.

Aktivitäten-Paradox überwinden

Die drei Hebel Halt, Anhalten und Fokus sind eng miteinander verbunden und helfen, das Aktivitäten-Paradoxon zu überwinden.

  • Halt unterbricht den Reflex des blinden Aktionismus und schafft Raum für individuelle Einsicht.
       
  • Anhalten ermöglicht tiefgehende und gemeinsame Reflexion darüber, was als gemeinsame Basis im Team etabliert werden kann.
       
  • Daraus entsteht der Fokus auf die wesentlichen Aufgaben, die Wirkung statt simulierter Geschäftigkeit erzielen.

Fazit

Wer Pausen und Reflexionsphasen bewusst in die Führungspraxis integriert, wird die Entscheidungseffizienz steigern, Motivation und Zusammenhalt im Team stärken.

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Kontakt

Telos Partners
Tel. +49 152 21 48 13 57
Dr. Marc Doetze
LinkedIn
mdoetze@telospartners.com
https://www.telospartners.com/ 

Cornelia Gärtner
Der Mittelstand, BVMW e. V.
Geschäftsstelle FrankfurtRheinMain / Leiterin der Wirtschaftsregion Rhein-Main
cornelia.gaertner@bvmw.de
Mobil: +49 172 6 90 27 01
LinkedIn
www.bvmw.de/frankfurt-am-main

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Cornelia Gärtner

Netzwerkprofi mit großer Freude an wertschätzender Kommunikation und Erfolg. Sie liebt es, Menschen in Kooperation zu bringen. Dipl. Soziologin & Informatik-Betriebswirtin (VWA) & City-Managerin & Industriekauffrau & Betriebliche Gesundheitsmanagerin & Inhaberin der ConnyUnity. Über ein Jahrzehnt Engagement für den Mittelstand. Leitung von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen und BVMW Geschäftsstelle Frankfurt am Main. Ansprechpartnerin für Presse und Politik. Gemeinsam mit fast 20 Repräsentanten vernetzt und positioniert sie in Hessen rund 1.000 Mitgliedsunternehmen und gibt ihnen eine starke Stimme.