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Unternehmertum statt Kapitalrendite

Was passiert, wenn Unternehmen wachsen wollen, ohne sich der kurzfristigen Renditelogik zu unterwerfen?

Darauf gibt Frank Ackermann, Geschäftsführer der Fritz Wiedemann & Sohn GmbH, im Interview mit Cornelia Gärtner eine klare Antwort: Mittelständisches Unternehmertum zeigt sich darin, dass es Kompetenzen aufbaut, Risiken begrenzt und die eigene Leistungsfähigkeit dauerhaft sichert. Firmen zu kaufen, nur um schnelle Effekte zu heben, wäre zu kurz gesprungen.

Unternehmertum im Mittelstand ist also mehr als Wachstum in Zahlen. Warum Sie Übernahmen gezielt nutzen sollten, um Know-how zu sichern, Leistungen im eigenen Haus aufzubauen und langfristige Stabilität zu schaffen. Warum Sie Mitarbeitende, Fachkompetenz und Verantwortung für kritische Infrastruktur in den Mittelpunkt stellen sollten, statt kurzfristiger Renditeziele. Das erfahren Sie hier:

Ackermanns Verständnis von Wachstum

Die Fritz Wiedemann & Sohn GmbH ist als Familienunternehmen seit 1947 am Markt. Schon früh spezialisiert es sich auf die Instandsetzung von Trinkwasserbauwerken und Trinkwasserbehältern. Das Geschäftsmodell setzt auf Erfahrung, technisches Können und kontinuierliche Weiterentwicklung – nicht auf schnelle Kurswechsel.

Besonders interessant ist Ackermanns Verständnis von Wachstum. Zukäufe dienen ihm nicht dazu, um Zahlen zu schönen. Vielmehr holt er solche Fähigkeiten in die Gruppe, die für die eigene Zukunft entscheidend sind. So schildert er, wie sie eine kleinere Firma in Dresden gemeinsam weiterentwickelt haben. Heute ist sie deutlich größer. Dieser Logik folgt auch die Integration der Wannenwetsch HDW GmbH: Spezialwissen und Leistungen werden im Unternehmen gesichert, damit Qualität, Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit nicht von externen Marktbedingungen abhängen.

Dahinter steht eine klare Haltung: Unternehmen aus eigener Kraft entwickeln. Ackermann beschreibt, dass die Wiedemann-Gruppe sehr bewusst darauf achtet, Risiken zu begrenzen, Rücklagen im Unternehmen zu halten und Übernahmen möglichst aus Eigenmitteln zu finanzieren. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu rein finanzgetriebenen Modellen: Nicht das Maximale hebeln, sondern Stabilität erzielen. Jede Gesellschaft der Gruppe soll eigenständig tragfähig bleiben und den Rest nicht gefährden.

Eingespielte Kompetenzen im eigenen Haus

Diese Haltung hat einen ganz praktischen Kern. In spezialisierten Märkten reicht es nicht aus, auf Einkaufsvorteile oder Kennzahlen zu schauen. Wer Leistungen wie Tiefbau, Rohbau, Untergrundvorbehandlung oder Instandsetzungsarbeiten zuverlässig anbieten will, braucht eingespielte Kompetenzen im eigenen Haus.

Ackermann macht deutlich, dass genau darin der Sinn der Erweiterungen liegt: mehr Leistungstiefe und Kontrolle über Qualität und Termine – dafür weniger Abhängigkeit. Wachstum wird so zu einem Mittel, um das Kerngeschäft auch Zukunft noch sicher betreiben zu können.

Das eigentliche Kapital sind die Menschen

Das eigentliche Kapital solcher Unternehmen sind die Menschen – nicht Maschinen oder Beteiligungen. Ackermann betont, dass viele Mitarbeitende seit Jahrzehnten im Unternehmen sind und ihr Wissen über Generationen hinweg weitergeben. In einem so hochspezialisierten Bereich wie der Sanierung von Trinkwasserbehältern ist dieses Erfahrungswissen kurzfristig nicht ersetzbar. Das verdeutlicht, warum mittelständisches Wachstum Zeit braucht: Know-how lässt sich nicht einfach zukaufen. Es gilt, es auch kulturell und organisatorisch ins Unternehmen zu integrieren.

Verantwortung und Handlungsspielraum

Die Arbeit an Trinkwasserbehältern ist Arbeit an kritischer Infrastruktur. Ackermann beschreibt, wie wichtig hier zuverlässige Spezialleistungen, hohe Standards und nachhaltige Materialien sind. Es geht darum, langfristig Qualität und Versorgungssicherheit zu sichern. So wird deutlich, wie eng Unternehmertum mit Verantwortung verbunden ist.

Ackermann überrascht damit, dass Montagearbeit durchaus attraktiv ist, aber von fehlender Arbeitszeitflexibilität behindert wird. Viele Mitarbeitende nutzen freiwillig längere Arbeitstage, um ihre Arbeitszeitkonten aufzubauen. Damit können sie saisonale Schwankungen besser abfedern. Er kritisiert keineswegs die notwendigen Schutzregeln, aber die starren Strukturen, die an der Realität einer spezialisierten Montagearbeit vorbeigehen. Er braucht Handlungsspielraum, um auf die Wünsche der Mitarbeitenden und die Anforderungen der Branche besser reagieren zu können.

Gerade dieser Punkt macht das Interview besonders relevant: Hier wird sichtbar, dass nachhaltiges Unternehmertum Rahmenbedingungen braucht, die Wachstum, Fachkräftesicherung und Stabilität kritischer Infrastrukturen unterstützen.

Wenn zeitliche Sanierungsfenster enger werden, fachliche Anforderungen steigen und erfahrene Fachkräfte trotzdem gehalten werden sollen, wird Flexibilität zum Standortfaktor.

Nachhaltiger Unternehmenserfolg

So entsteht ein sehr klares Bild von Mittelstand: Unternehmen werden übernommen, um sie weiterzuentwickeln. Gewinne werden genutzt, um Substanz aufzubauen. Mitarbeitende und Know-how stehen im Zentrum. Wachstum ist dort sinnvoll, wo es die eigene Wertschöpfung stärkt und Verantwortung langfristig absichert. Nachhaltiger Unternehmenserfolg entsteht durch Haltung, Kontinuität und den Willen, etwas Bleibendes aufzubauen – nicht durch kurzfristige Renditeeffekte.

Drei Take-aways

  1. Mittelständisches Wachstum hat seine eigene Logik. Übernahmen dienen dem Aufbau von Kompetenzen und der Sicherung von Wertschöpfung, nicht dem schnellen finanziellen Effekt.
  2. Das wichtigste Kapital ist das Wissen in den Köpfen der Mitarbeitenden. Langjährige Erfahrung, Qualifizierung und Spezialisierung tragen das Unternehmen.
  3. Langfristige Verantwortung braucht passende Rahmenbedingungen. Wer kritische Infrastruktur auf hohem Niveau sichern will, braucht Haltung im Unternehmen und mehr praktische Flexibilität.

Kontakt

Frank Ackermann
Fritz Wiedemann & Sohn GmbH
zentrale@wiedemann-gmbh.com
+49 6 11 7 90 80
LinkedIn
https://www.wiedemann-gmbh.com/

Cornelia Gärtner
Leiterin von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen
und der Geschäftsstelle Frankfurt am Main 
cornelia.gaertner@bvmw.de
+49 172 6 90 27 01
LinkedIn
https://www.bvmw.de/de/hessen 

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Cornelia Gärtner

Netzwerkprofi mit großer Freude an wertschätzender Kommunikation und Erfolg. Sie liebt es, Menschen in Kooperation zu bringen. Dipl. Soziologin & Informatik-Betriebswirtin (VWA) & City-Managerin & Industriekauffrau & Betriebliche Gesundheitsmanagerin & Inhaberin der ConnyUnity. Über ein Jahrzehnt Engagement für den Mittelstand. Leitung von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen und BVMW Geschäftsstelle Frankfurt am Main. Ansprechpartnerin für Presse und Politik. Gemeinsam mit fast 20 Repräsentanten vernetzt und positioniert sie in Hessen rund 1.000 Mitgliedsunternehmen und gibt ihnen eine starke Stimme.