Die Immobilienbranche will mehr Wohnraum, mehr Verbindlichkeit und mehr wirtschaftlich tragfähige Projekte. Doch aktuell fährt sie mit angezogener Handbremse. Welche Ansätze braucht es, damit sie wieder Fahrt aufnehmen kann?
Darüber spreche ich mit Thomas Frank von Garbe Urban Real Estate.
Thomas Frank ordnet zunächst ein, aus welcher Perspektive er mit mir spricht: Er leitet bei Garbe Urban Real Estate (Garbe) den Regionalbereich Frankfurt. Dort bringt er mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche mit. In verantwortlichen Rollen hat er Projekte mit einem Gesamtwert von über zwei Milliarden Euro begleitet. Garbe beschreibt er als international aufgestelltes Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitenden an 21 Standorten in 14 Ländern.
Wohnraum: schnell, günstig, nachhaltig
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der Wohnraummangel. Thomas Frank macht deutlich: Deutschland braucht dringend eine große Zahl zusätzlichen bezahlbaren Wohnraums. Dafür setzt Garbe auf ein Holz- und Modulbaukonzept. Das ist zum einen schneller realisierbar als konventionelles Bauen. Zum anderen kann Garbe hier mit fixen Baukosten kalkulieren. Das soll Mieten ermöglichen, die am Markt tatsächlich bezahlbar sind. In Köln und Düsseldorf sollen mit dieser Modulbauweise rund 500 Wohnungen entstehen.
Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern tatsächlich grundlegender Bestandteil moderner Projektentwicklung. Frank betont, dass Projektentwickler eine gesellschaftliche Verantwortung haben, nachhaltig und energieeffizient zu bauen. Und der Holzbau spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn das im Gebäude verbaute Holz bindet langfristig CO₂. Entscheidend ist also nicht nur die Bauphase: Auch der spätere Betrieb eines Gebäudes muss so funktionieren, dass er möglichst wenig Energie verbraucht und für die Nutzerinnen und Nutzer attraktiv ist.
Stadtentwicklung
Besonders deutlich wird in dem Gespräch, dass gute Stadtentwicklung nicht an der Gebäudekante endet. Garbe denkt laut Thomas Frank stärker in Quartieren als in Einzelgebäuden. Dabei geht es um Wasserverbrauch, Grünflächen, große Bäume, lebendige Nutzung, Kleingewerbe und Aufenthaltsqualität. Kritisch sieht er klassische Tiefgaragen. Denn die sind teuer, blockieren Flächen, erschweren Wasserrückhaltung und können große Baumpflanzungen verhindern. Stattdessen plädiert er für mehr Spielräume, etwa durch Quartiersgaragen und flexible Stellplatzlösungen.
Ein wesentlicher Bremsfaktor in der Immobilienbranche ist aus Thomas Franks Sicht eine fehlende Verbindlichkeit. Projektentwicklung braucht klare Rahmenbedingungen bei Genehmigungen, Vorgaben, Denkmalschutz, Naturschutz und Fördermitteln. Positiv hebt er frühzeitige Gespräche mit Behörden hervor, etwa in Frankfurt, Offenbach und im Rhein-Main-Gebiet. Wenn Behörden und Entwickler früh wissen, was auf sie zukommt, können sie auch rechtzeitig Lösungen erarbeiten.
Dass Flexibilität helfen kann, zeigt Thomas Frank an einem Beispiel aus Köln. Dort seien für ein Projekt keine Fördermittel mehr verfügbar gewesen. Im Gegenzug sei die Forderung gestrichen worden, 30 Prozent geförderten Wohnungsbau umzusetzen. Dadurch konnte die Wirtschaftlichkeit wiederhergestellt werden. Für ihn ist genau diese Art von verhandelbarem Spielraum entscheidend: Starre Blockaden helfen nicht weiter. Vielmehr braucht es pragmatische Lösungen, die Projekte überhaupt wieder möglich machen.
Die wirtschaftlichen Belastungen der Branche beschreibt Thomas Frank ganz klar: Die Baukosten sind gestiegen. Die Grundstückskosten bleiben hoch. Die Verkaufspreise an Endinvestoren sind gesunken. Dadurch sei es äußerst schwierig geworden, Projekte wirtschaftlich auf die Beine zu stellen. Hinzu kommt: Viele Projekte laufen drei, vier oder fünf Jahre. Wenn mitten im Prozess neue Anforderungen aufkommen oder Probleme entstehen, lassen sich Bauprojekte nicht einfach stoppen, ohne enorme Kosten auszulösen.
Finanzierung
Die Finanzierung bremst viele Projekte. Banken verlangen in der Regel eine Projektrendite von 15 Prozent, bevor sie Fremdkapital bereitstellen. Gleichzeitig sind die Anforderungen der Banken gestiegen. Sie fordern, mehr Eigenkapital einzubringen. Thomas Frank sieht hier einen möglichen politischen Hebel, indem sie hier zu vernünftigen Konditionen unterstützt. Das könnte etwa ein Eigenkapitalersatz für die Projektlaufzeit sein. Das könnte nach seiner Einschätzung vielen Projektentwicklern dabei helfen, wieder mehr Vorhaben umzusetzen.
Fazit
Wir können ein optimistisches Fazit ziehen: Damit die Immobilienbranche wieder Fahrt aufnimmt, gilt es: mit Augenmaß entwickeln und konstruktiv nach Lösungen suchen. Zukunft bleibt möglich, wenn Unternehmen mutig, realistisch und lösungsorientiert handeln. Ein positives Beispiel liefert Garbe. Trotz der angespannten Branchenlage hat das Unternehmen zehn neue Mitarbeitende eingestellt.
Und die wichtigste Erkenntnis für Immobilienbranche lautet: Sie wird nicht von einem einzigen Problem gebremst. Es ist das Zusammenspiel aus hohen Kosten, schwieriger Finanzierung, langen Projektlaufzeiten, starren Vorgaben, begrenzten Fördermitteln und fehlender Planungssicherheit. Gleichzeitig zeigt unser Gespräch, dass Lösungen möglich sind: durch modularen Holzbau, nachhaltige Quartiersentwicklung, frühzeitige Behördenkommunikation, flexible Stellplatz- und Fördermodelle und nicht zuletzt mehr Verbindlichkeit zwischen allen Beteiligten.
Mit dem Vitamin-C-Interview senden wir eine klare Botschaft an Wirtschaft, Verwaltung und Politik: Wer mehr Wohnraum will, muss Projekte ermöglichen. Die Branche braucht verlässliche Rahmenbedingungen, pragmatische Spielräume und den Mut, neue Bau- und Quartierskonzepte konsequent umzusetzen.
Video zu Vitamin C: Was bremst die Immobilienbranche?
Vitamin C: Interview mit Cornelia Gärtner
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Netzwerkprofi mit großer Freude an wertschätzender Kommunikation und Erfolg. Sie liebt es, Menschen in Kooperation zu bringen. Dipl. Soziologin & Informatik-Betriebswirtin (VWA) & City-Managerin & Industriekauffrau & Betriebliche Gesundheitsmanagerin & Inhaberin der ConnyUnity. Über ein Jahrzehnt Engagement für den Mittelstand. Leitung von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen und BVMW Geschäftsstelle Frankfurt am Main. Ansprechpartnerin für Presse und Politik. Gemeinsam mit fast 20 Repräsentanten vernetzt und positioniert sie in Hessen rund 1.000 Mitgliedsunternehmen und gibt ihnen eine starke Stimme.
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