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Zukunftskompetenzen für Teenager

Oder warum junge Menschen mehr Vertrauen brauchen

Welche Kompetenzen brauchen Teenager, um in einer sich verändernden Arbeitswelt ihren Weg zu finden? Das ist eine Frage, die neben den Eltern auch Unternehmerinnen und Unternehmer bewegt. Auf den ersten Blick mag das ein reines Business-Thema sein. Allerdings geht es hier um Menschen: Und wenn es für die jungen Leute zu Hause schwierig ist, wirkt sich das auch auf den Arbeitsalltag aus.

Darüber spreche ich mit Claudia Rixecker, Inhaberin von zweiMITvier und Lehrbeauftragte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Häufig werden junge Menschen als störrisch, problematisch, arbeitsfaul oder arbeitsscheu gesehen. Diese Perspektive möchte sie aufbrechen und plädiert für einen anderen Blick auf Teenager.

Claudia Rixeckers zentrale Botschaft lautet: Teenager sind nicht das Problem – sie sind unsere Zukunft. Wer sie besser versteht, kann gelassener, wertschätzender und wirksamer mit ihnen umgehen.

Sie bringt dafür einen besonderen fachlichen und praktischen Hintergrund mit. Sie ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin, Kommunikationstrainerin und Mediatorin. In ihrem Unternehmen zweiMITvier arbeitet sie mit Unterstützung von Hunden daran, das Selbstvertrauen von Teenagern zu stärken. Die Vierbeiner wirken dabei als Türöffner: Sie schaffen dort einen Zugang, wo Kommunikation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen manchmal verschlossen scheint.

Im Zentrum unseres Gesprächs stehen die Zukunftskompetenzen, die Teenager heute brauchen. Technikverständnis bleibt wichtig – gerade weil junge Menschen mit digitalen Werkzeugen aufwachsen. Doch entscheidend werden nach Rixeckers Einschätzung vor allem Fähigkeiten, die KI nicht ersetzen kann: Resilienz, Flexibilität, Kreativität, Problemlösungskompetenz und soziale Stärken. Solche Kompetenzen helfen nicht nur im Beruf, sondern im ganzen Leben.

Problemlösungskompetenz

Besonders wichtig ist ihr die Problemlösungskompetenz. Eltern sollten ihren Kindern nicht jedes Hindernis aus dem Weg räumen. Wer jungen Menschen sofort Lösungen liefert, nimmt ihnen die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu machen. Zukunftsfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass alles reibungslos läuft. Sie entsteht dadurch, dass Teenager lernen dürfen, mit Schwierigkeiten umzugehen, wieder aufzustehen und eigene Lösungswege zu finden.

Kommunikationskompetenz

Menschliche Interaktion ist immer Kommunikation – auch nonverbal, betont Claudia Rixecker. Gerade Teenager zeigen Vieles nicht mit dem gesprochenen Wort, sondern mit Verhalten, seien es Rückzug, Körpersprache oder das berühmten Türenknallen. Für Eltern bedeutet das: Nicht jede Reaktion ist eine persönliche Ablehnung. Manchmal ist sie Ausdruck einer Entwicklungsphase. Und Erwachsene, die dies bedenken, gestalten den Umgang mit jungen Menschen konfliktfreier.

Gehirnentwicklung von Adoleszenten

Unser Gehirn entwickelt sich bis ins junge Erwachsenenalter weiter. Logik, Impulskontrolle, Motivation, Durchhaltevermögen, Erinnerungsvermögen und Zeitmanagement sind bei Teenagern noch im Aufbau. Wenn ein Adoleszenter trödelt, nicht pünktlich loskommt oder impulsiv reagiert, stehen dahinter nicht automatisch böse Absichten. Diese Einsicht kann Eltern helfen, weniger persönlich verletzt zu reagieren und geduldiger zu bleiben.

Beziehung schafft Orientierung

Für Eltern heißt das aber keineswegs, alles laufen zu lassen. Es geht vielmehr um eine klare und wertschätzende Kommunikation. Claudia Rixecker fasst das mit Connection before Correction zusammen, also erst eine Verbindung herstellen, dann korrigieren. Vertrauen ist die Grundlage, damit Gespräche überhaupt möglich bleiben. Wer nur Druck ausübt, erreicht Teenager oft nicht. Aber wer Beziehung schafft, kann Orientierung geben.

Hilfe durch neutrale externe Instanz

Ihre Rolle in den Trainings beschreibt Claudia Rixecker als die einer neutralen externen Instanz. Sie teilt mit den Jugendlichen keinen Familienalltag. Sie muss keine Hausaufgaben kontrollieren oder Alltagsregeln durchsetzen. Dadurch entsteht hier ein anderer Raum: Junge Menschen können sich ausprobieren, erleben, Fehler machen und Wirksamkeit erfahren. Gerade in der Arbeit mit Hunden spüren sie ganz unmittelbar, wie ihr Verhalten wirkt.

Besonders eindrücklich wird das bei Jugendlichen, die häufig hören: „Du bist das Problem!“ Claudia Rixecker verfolgt hier aber nicht das Ziel, diesen Satz einfach umzudrehen zu: „Ich bin gut so, wie ich bin.“ Stattdessen schildert sie das Beispiel eines sehr stillen Klienten. Der gewinnt über die Arbeit mit den Hunden Vertrauen, macht seinen Realschulabschluss, findet eine Lehrstelle als Optiker und bezeichnet sich später selbstbewusst als „besten Optiker-Azubi Hessens“.

Agree to disagreee

Ein anderer wichtiger Hinweis lautet: Ohne agree to disagree geht es nicht.

Eltern und Teenager müssen nicht immer einer Meinung sein. Entscheidend ist es, dass sie im Gespräch, im Vertrauen und in der Beziehung zu bleiben. Beide Seiten dürfen erklären, was ihnen wichtig ist – auch wenn sie das am Ende unterschiedlich empfinden oder bewerten. Doch genau diese Fähigkeit ist ein zentraler Baustein für gelingende Kommunikation.

Praxistipps

Von der Trainerin gibt es noch ein paar einfache, aber wirksame Tipps:

Bei Teenagern kommt es stark auf das Timing an. Direkt nach der Schule oder unmittelbar nach einem Konflikt sind meistens keine guten Momente für ein Gespräch.

Die Standardfrage „Wie war’s in der Schule?“ führt selten weiter. Einen besseren Zugang können konkrete und offene Fragen liefern:

• „Was hat bei Dir heute richtig gut geklappt?“
• „Wer hat Dich geärgert?“
• „Was hat Dich heute zum Lachen gebracht?“

Vertrauen, Geduld und echte Beziehung

Teenager brauchen keine dauernde Bewertung. Sie brauchen Vertrauen, Geduld und eine echte Beziehung.

Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsene,

• die sie ernst nehmen,
• ihnen etwas zutrauen und
• ihnen helfen, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken.

Sowohl für Eltern, Schulen als auch Arbeitgeber ist das eine wichtige Botschaft: Wer junge Menschen stärken will, sollte nicht nur auf Noten, Abschlüsse und Technikverständnis schauen. Ganz wichtig sind die Kompetenzen, die Menschen auch in Zukunft unverwechselbar machen – Resilienz, Kreativität, Flexibilität, Kommunikation und Selbstvertrauen.

Teenager sind großartig

Das Interview beendet die Kommunikationstrainerin mit einem optimistischen Appell: Teenager sind großartig. Sie sind nicht fertig, sondern in der Entwicklung. Auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter brauchen sie keine Menschen, die sie bevormunden, sondern solche, die ihnen beim Reifen helfen.

Nehmen wir unsere Teenager ernst – und haben wir sie einfach mal lieb!

Kontakt

Claudia Rixecker
zweiMITvier
claudia@zweimitvier.de
+49 172 9599516
zweiMITvier

Cornelia Gärtner
Leiterin von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen
und der Geschäftsstelle Frankfurt am Main 
cornelia.gaertner@bvmw.de
+49 172 6 90 27 01
LinkedIn
https://www.bvmw.de/de/hessen

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Cornelia Gärtner

Netzwerkprofi mit großer Freude an wertschätzender Kommunikation und Erfolg. Sie liebt es, Menschen in Kooperation zu bringen. Dipl. Soziologin & Informatik-Betriebswirtin (VWA) & City-Managerin & Industriekauffrau & Betriebliche Gesundheitsmanagerin & Inhaberin der ConnyUnity. Über ein Jahrzehnt Engagement für den Mittelstand. Leitung von Der Mittelstand. BVMW e. V. Hessen und BVMW Geschäftsstelle Frankfurt am Main. Ansprechpartnerin für Presse und Politik. Gemeinsam mit fast 20 Repräsentanten vernetzt und positioniert sie in Hessen rund 1.000 Mitgliedsunternehmen und gibt ihnen eine starke Stimme.